THE AMERICAN YEAR


Das Auswahlgespräch
Mai 7, 2007, 9:33
Gespeichert unter: Auswahlgespräch, Kultur Life, Nordlicht Stipendium

Am 19. Januar der Anruf von Kultur Life: Ich sei für ein Teilstipendium vorgeschlagen. Wahrscheinlich wird jetzt jeder annehmen, ich sei ihn Jubelschrei verfallen oder hätte mich überglücklich gefreut, doch dem war nicht so. Ich hätte mich in der Bewerbung dazu entschieden, mich für das Vollstipendium zu bewerben. [Anmerkung: Kultur Life beabsichtigte im Jahr 2007 2 Teilstipendien und ein Vollstipendium zu vergeben. Mann musste sich in seiner Bewerbung dazu entschließen sich entweder nur für das Vollstipendium oder nur für eines der Teilstipendien zu bewerben. Man würde nicht für die Auswahl des jeweiligen anderen Stipendiums berücksichtigt werden.] Und doch bekam ich ein Teilstipendium, da man mich für so geeignet hielt. 3000€ der Kosten selbst zu tragen ohne, dass man die Möglichkeit hatte sich in gewisser Weise darauf einzustellen ist sicherlich jeder Familie mit 4 Kindern nahezu unmöglich. Meine Mutter sagte also bei Kultur Life das Teilstipendium ab, wobei man ihr noch 3 Tage Bedenkzeit mitgab sich um zu entscheiden.

Wir nutzten diese 3 Tage, um bei der Bank einen Kredit anzufordern, den man uns gewährte. Wir hatten uns also um entschieden, auch wenn wir uns darüber im Klaren waren, dass zu diesen 3000€ noch sehr hohe zusätzliche Kosten entstehen würden. Zum Beispiel für das Visum, die Passfotos, die Koffer, den Reisepass, den Aufenthalt dort …

Was heißt den eigentlich für das Nordlichtstipendium “vorgeschlagen” zu sein? Das bedeutet nichts anderes, als schon zu 80 % angenommen zu sein. Wenn man sich bei dem Vorbereitungsgespräch also nicht allzu sehr ungeschickt anstellt und einen unduldsamen Eindruck hinterlässt, dann steht einem das Stipendium eigentlich schon zu. So erklärte es mit zu mindestens meine Interviewerin. In meinen Augen kam diese Aussage zu spät. Ich hatte mir lange Gedanken darüber gemacht, ob ich mein Teilstipendium überhaupt bekommen würde und das, wie sich letztendlich herausstellte, eigentlich sinnlos.

Was mir ganz besonders weh tat, waren die enttäuschten Gesichter der Bewerber, die “leer” ausgingen und für die dadurch teilweise der Traum von einem Auslandsjahr zerplatzte. Doch ich nahm auch Kontakt zu dem Rheingold – Vollstipendiaten auf, Martin Pötz. Das Reihngoldstipendium hatte ich nicht bekommen, so teilte man mir in einer Absage mit, doch ich sei in die engere Auswahl gekommen und bekam ein Angebot das Programm mit einem Finalistenrabatt von 300€ anzutreten, sowie einen netten Jahreskalender 2007.

In der Woche vor dem 16.Februar rief eine junge Frau an, um mit mir den Termin für mein Auswahlgespräch (kurz AWG) festzulegen. Sie stellte sich kurz vor, wobei ich – von dem überraschendem Anruf ganz aus der Bahn gebracht – in diesem Moment nicht in der Lage war mir den Namen vollständig zu merken. Hatte ich mir doch einen Tag zuvor noch vorgenommen, einfach bei diesem Anruf nachzufragen, was mich dort erwartete, vergaß ich diese überhaupt nur anzuschneiden, legte den Auswahlgesprächstermin auf den 16. Februar fest und legte auf.

“Auswahlgespräch” ist meiner Ansicht nach nicht die passendste Bezeichnung in dieser Situation. Nein, dieses AWG diente nicht dazu, wie der Name eventuell vermuten lässt, zwischen zwei Teilstipendiaten auszuwählen, sondern allein dem Kennenlernen meiner Person.

Meine Interviewerin war Victoria Lahl. Eine nette Studentin und ehemalige Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten. Sie hatte tatsächlich in unser kleines Örtchen gefunden – mit einem Navigationssystem, wie sich heraus stellte. Bei Kultur Life ist es so, dass die Auswahlgespräche bei dir zu Hause durchgeführt werden. Und ich muss sagen, das ist wirklich eine sehr gute Idee, denn in den eigenen Räumlichkeiten fühlt man sich nicht so fremd und wird nicht von der Umgebung ständig erinnert, dass man sich gerade mitten in einem AWG befindet. Zu Anfang führten meine Eltern und ich kein lockeres Gespräch mit Victoria. Sie erzählte von ihrem Austauschjahr und wir stellten die Fragen, die wir schon immer einmal beantwortet haben wollten. Danach folgte das Interview. Wie man mir erläuterte würde meine Partnerorganisation in den Vereinigten Staaten CCI sein und das Interview wenn möglich komplett auf Englisch geführt werden. Ich muss sagen, damit hatte ich nicht gerechnet, doch vermutlich war es besser so gewesen. Schließlich war es nicht gerade vorteilhaft sich Tage lang darüber Gedanken zu machen, wie man das letztendlich meistert.

Es kamen teilweise sehr merkwürdige Fragen, doch keine auf die man sich wirklich vorbereiten muss. Es sind keine Wissensfragen. Man wir mündlich und schriftlich befragt. Mehr nach dem Schema: “Was wäre wenn?” oder eine Beschreibung von sich aus der Sicht seiner Freunde. Alles nur um zusehen, wie gut oder wie schlecht dein Englisch ist. Victoria meinte zwar, dass mein Englisch sehr gut sei und viel besser, als ihres vor der Abreise. Ich jedoch hatte das Gefühl, dass ich es hätte besser machen können.

Doch macht euch keine Sorgen. Das ganze Auswahlgespräch ist sehr locker und wenn hr einfach auf Deutsch antwortet oder nicht ganz so gut abschneidet, ich denke euch reißt da ganz sicher keiner den Kopf ab. Viel Glück!


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